Das letzte Hemd hat keine Taschen

Das letzte Hemd hat keine Taschen

Die Arbeit von Erbenermittlern ist bestimmt von viel Ermittlungsalltag. Jedoch passieren auch spannende, berührende oder dramatische Geschichten. Unsere Genealogen haben 33 wahre Begebenheiten zusammengetragen, die in diesem Buch veröffentlicht wurden.
 
Die Buchpremiere fand am 24.04.2014 in der wunderschönen Kirche zu Panitzsch bei Leipzig statt. Das Buch kann im Buchhandel oder direkt beim Verlag bezogen werden:

 

Tauchaer Verlag

Buchpremiere „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ in der Kirche zu Panitzsch bei Leipzig

Auszüge aus dem öffentlichen Interview zwischen dem Verleger Herrn Prof. Dr. Dieter Nadolski und der Geschäftsführerin der GEN Gesellschaft für Erbenermittlungen mbH, Frau Sabine Flick am 24.04.2014.

Prof. Nadolski:
Vor gut neun Monaten haben Frau Sabine Flick und ich beschlossen ein „Kind“ zu zeugen. Heute erlebt dieses Kind namens  "Das letzte Hemd hat keine Taschen" seine Taufe. Frau Flick, bevor wir über das Buch reden, habe ich eine Frage: Wie wurden Sie zur Erbenermittlerin? Wie geht das?

Frau Flick:
Der Weg dorthin ist verschlungen, weil - diesen Beruf kennt ja erst einmal niemand. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Erben ermitteln werde – als Juristin. Ich habe dann in meiner anwaltlichen Tätigkeit Kontakt zur Berufsgruppe der Erbenermittler bekommen und Gefallen an diesem Beruf gefunden.

Prof. Nadolski:
Wann haben Sie Ihre Firma gegründet?

Frau Flick:
Im Mai 1990.

Prof. Nadolski:
Wer sind Ihre Auftraggeber und gibt es eigentlich noch andere Erbenermittler-Firmen?

Frau Flick:
Ja, selbstverständlich gibt es andere, aber zu Ihrer ersten Frage: Es gibt die Nachlasspfleger, ich glaube es sind auch heute welche unter uns, die vom Gericht beauftragt werden einen Nachlass zu sichern, gegebenenfalls zu verwerten und auch die Erben zu ermitteln. Die Nachlasspfleger gliedern einige Aufgaben aus. So auch z.B. die Erbenermittlung, wenn sie zu schwierig und kompliziert wird.

Prof. Nadolski:
Warum ist Ihre Gesellschaft an so vielen Orten – auch im Ausland präsent?

Frau Flick:
Es gibt immer mehrere Gründe. Ein Grund ist, dass die Archivlage sehr unterschiedlich in den Regionen ist. Die Erbenermittler, die vor Ort sind, zum Beispiel in Hamburg oder in Bayreuth, kennen sich ganz besonders gut in den dortigen Archiven aus. Das ist ja eine wichtige Aufgabe, dass man anhand von Büchern und alten Urkunden in Kirchen, in staatlichen Archiven die wichtigen Informationen zur weiteren Ermittlung erhält.
Es gibt in Europa nur wenige Unternehmen, die diese Größe und auch diese vielen Niederlassungen haben. Das ist auch am Markt ein Vorteil. Durch die gute Vernetzung haben wir es auch leichter, bei national und international konkurrierenden Erbermittlungsfällen zu bestehen.

Prof. Nadolski:
Frau Flick, was hat eigentlich Sie und Ihre Mitarbeiter angetrieben gerade jetzt das Buch zu schreiben?

Frau Flick:
Naja, es gehört natürlich schon ein bisschen Erfahrung dazu. Man hat als Erbenermittler nicht gleich spannende Geschichten, die man aufschreiben kann. Es ist viel Ermittlungsalltag und es müssen ja besondere Geschichten sein. Es soll immer etwas Spannendes sein, was dann ein Buch ausmacht.
Seit 24 Jahren sammeln wir und haben uns überlegt, dass wir nach 25 Jahren unserer Gründung uns selbst ein solches Buch über unsere Arbeit schenken sollten.

Prof. Nadolski:
Es ist so: dieses Buch hat 33 Stories, diese Geschichten haben 28 Autoren geschrieben. Gab es Schwierigkeiten?

Frau Flick:
Eigentlich gab es keine Schwierigkeiten. Nur ein paar Ideen, den geeigneten Fall auszusuchen.

Prof. Nadolski:
Das Buch hat einen Untertitel: Erbenermittler und ihre spannenden Begegnungen mit dem Privatleben von Generationen. Ich kann mir vorstellen, dass Sie eine Botschaft von einem üppigen Erbe auch mal selbst an Privatleute bringen. Gibt es das?

Frau Flick:
Ja, mit wenigen Ausnahmen sind es sogenannte Privatleute, die wir ermitteln. Ich selbst habe auch schon Botschaften von einer großen Erbschaft überbracht.

Prof. Nadolski:
Das macht dann nicht das Gericht?

Frau Flick:
Nein, nein, das machen wir. Das ist so: Es gibt ja fast zu allem Rechtsprechung und so auch zu unserer Berufsgruppe. Den Erbenermittlern wird aufgegeben, dass wir Kontakt mit den von uns ermittelten Erben selbst aufnehmen und diese Botschaft vom großen oder auch kleineren Vermögen überbringen.
Mit der Kontaktaufnahme müssen wir den von uns ermittelten Erben überzeugen, dass er unsere Tätigkeit im Erfolgsfall auch vergütet. Denn wir arbeiten auf eigenes Risiko und finanzieren das gesamte Verfahren, ohne dass der Erbe zuvor etwas zahlen muss. Erst wenn er das Vermögen aus dem Nachlass erhält, erhalten wir unser Honorar.

Prof. Nadolski:
Dann wird es Ihnen ja auch schon passiert sein, dass Sie keine Erben gefunden haben, wohin geht dann das Geld?

Frau Flick:
Der Fiskus erbt in diesem Fall. Das kann auch der Bund sein, hängt aber von der rechtlichen Situation ab. In der Regel erbt das Bundesland, in welchem der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Also, angenommen in Leipzig würden wir einen Fall haben, bei dem wir keine Erben finden konnten, dann würde am Ende das Erbrecht für den Freistaat Sachsen festgestellt werden.

Prof. Nadolski:
Wer zahlt dann in diesem Fall Ihr Honorar?

Frau Flick:
Niemand, das ist unter anderem stets unser Risiko. Wir bleiben auf allem, was wir an Kosten und Zeitaufwand investiert haben, wie man so schön sagt, „sitzen“. Wir haben  niemanden, der uns diese Kosten ersetzen würde. Deshalb ist es unser eigenes Risiko, wenn wir die Ermittlungen aufnehmen. Wir sind, um von diesem Beruf leben zu können, zum Erfolg verpflichtet.

Prof. Nadolski:
Ok. Dann können Sie jetzt, liebe Gäste, Fragen an Frau Flick stellen.

Frage vom Publikum:
Wann werden Sie tätig?

Frau Flick:
Wir nehmen die Arbeit nur auf, wenn tatsächlich Nachlass vorhanden ist. Es gibt ja auch viele Menschen, die Schulden bei der Bank oder anderen Gläubigern haben. Das machen wir nicht. Wir suchen nicht für die Gläubiger die Erben. Wir wollen Vermögenswerte vermitteln und nicht gegen Entgelt andere in Schwierigkeiten bringen.
Wir erhalten auch von Notaren oder privat Aufträge, doch die meisten Aufträge erhalten wir von Nachlasspflegern und ab und zu auch mal von Nachlassgerichten, von Rechtspflegern, die unseren Beruf schätzen.
Viele denken, man schlägt ein Buch auf, dort steht der gesuchte Erbe drin. So ist es nicht, auf keinen Fall. Einige denken, dass das einfach verdientes Geld ist. Dem ist wirklich nicht so. Spätestens nach der Lektüre unseres Buches weiß  jeder, dass dieser Beruf doch risikobehaftet und nicht so einfach ist und dass viele  spezielle Fähigkeiten und Wissen dazu gehören, um erfolgreich zu sein.
Wir lieben unseren Beruf alle und wir werden auch von Privatpersonen kontaktiert, wenn diese nicht mehr weiterwissen.
Manchmal vereinbaren wir auch einen Stundensatz für unsere Tätigkeit, aber das ist sehr selten. Der Stundensatz ist aber besonders im Raum Köln populär. Es ist üblich, dass man sagt, „Wir wollen nicht, dass Sie Risiken eingehen. Wir geben ihnen auch einen Stundensatz.“ Und dann arbeiten wir auch für Stundensätze. In Berlin wiederum ist es gar nicht möglich, dass Nachlassgerichte oder Nachlasspfleger uns für Stundenhonorare beauftragen. Der Rechtsprechung folgend soll unser Erfolg vom Erben durch eine Vereinbarung honoriert werden, die uns ein Honorar versichert, wenn dieser Erbe zu einem Vermögenszuwachs gelangt.

Ich bin sehr dankbar, dass wir unser Buch hier vorstellen konnten und freue mich, dass Sie als Interessierte heute hierher gefunden haben.
Vielen Dank, dass Sie gekommen sind und last but not least an Professor Nadolski, dass er das überhaupt möglich gemacht hat.
Es hat mir auch sehr viel Freude gemacht und ich fühle mich geehrt, im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen zu sprechen, die so fleißig daran gearbeitet haben, dass das Buch gelungen ist.
Dass wir so eine Premiere haben, damit hatte ich nicht gerechnet, denn Sie, Professor Nadolski, machen ja nur für jedes Hundertste von Ihnen verlegte Buch eine Premiere.

Prof. Nadolski:
Jedes Hundertfünfzigste.

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