Ein Schweizer als Zirkus-Artist in Deutschland
Einen Schweizer Zirkus-Artisten hatte es etwa 1920 nach Deutschland verschlagen.
Er wählte als Winterquartier für seinen kleinen Wanderzirkus einen Ort in der Nähe von Berlin und stellte dort seine Zirkuswagen auf. Die von ihm genutzten Grundstücke erwarb er Ende der 20er Jahre. Er nutzte sie bis in die anfänglichen Kriegsjahre des 2. Weltkrieges. Für die Kinder des Ortes führte er manchmal Zirkusspiele auf. Es gibt einige, die sich daran noch Jahrzehnte später erinnern konnten. Sie wussten zu berichten, dass er kein Deutscher war, sondern ein Schweizer Staatsbürger.
Als Herr Favre Deutschland während des Krieges für immer verließ, blieben nur die von ihm erworbenen Grundstücke zurück. Sie befanden sich auf dem Territorium der ehemaligen DDR und wurden vom Staat verwaltet. Die staatliche Verwaltung wurde nach der Wende kraft Gesetzes aufgehoben, ein vom Landkreis bestellter gesetzlicher Vertreter veräußerte diese Grundstücke. Der Kauferlös wurde zugunsten der Erben nach dem Eigentümer der Grundstücke, Herrn Favre, hinterlegt.
Wo aber war ein Herr Favre in der Schweiz zu ermitteln? Dieser Name kommt dort häufig, ähnlich wie in Deutschland Müller oder Meier, vor.
Die intensive Suche in einem kleinen brandenburgischen Archiv führte zum
Geburtsdatum des Herrn Favre. Auf einem unscheinbar wirkenden Karteiblatt aus dem Jahre 1937 war das Geburtsjahr des Herrn Favre mit dem Jahr 1887 vermerkt.
Nun begann die Suche vor allem in der französisch sprechenden Schweiz, die zu einem kleinen Ort im Wallis führte. Herr Favre hatte, wie dann festgestellt wurde, mit dem Verlassen von Deutschland auch sein Zirkusleben aufgegeben und sich als Gastwirt in seinem Heimatort niedergelassen. Es fand sich ein Testament, in welchem er seine beiden Kinder als alleinige Erben einsetzte.
Wo waren aber nun diese Erben zu finden? Letztendlich führten die Ermittlungen nach Frankreich und Italien, aber auch weiter in die Schweiz. Nur nach Deutschland, wo der finanzielle Segen herkam und Herr Favre einen Großteil seines Lebens verbrachte, führte die Spur nicht. Nun freuten sich die Enkel des Herrn Favre über das unerwartete Erbe, denn die im Testament genannten beiden Kinder lebten nicht mehr.
Die so spät von ihrem Großvater Begünstigten wussten über diesen so gut wie gar nichts. Vor allem das Leben des Großvaters als Zirkus-Artist in Deutschland war ihnen völlig verborgen geblieben.
Wir konnten somit nicht nur den Nachlass an die Erben herausgeben, sondern auch ein Stück Lebensgeschichte eines Vorfahren übermitteln.










